Nigel Kennedy – Die Biographie aus dem Lockdown

When I’m 64 – Der Violinist im Wechsel der Jahreszeiten … Der eigenwillige Geiger ist nicht nur einen Zacken schräger, als man sich das ohnehin schon ausgemalt hatte, er ist auch ein recht grantiger alter Knabe – und ein in der Wolle gefärbter Fußballfan. Auch wenn die für dieses Jahr angedachte Deutschlandtour erst mal geknickt werden musste, für Fans hat er jetzt – zum Vorglühen für den Fall, dass es nächstes Jahr klappt seine Autobiographie vorgelegt …

Als Übersetzer höre ich, wenn ich mal das dieser Tage eher seltene Vergnügen habe, eine Musikerbiographie machen zu können, gern während der Arbeit das Œuvre mit. »Vermutlich bis Oberkante Unterlippe«, wie jetzt vielleicht der eine oder andere denkt, aber dem ist ganz und gar nicht so. Und im Fall von Kennedy gab es obendrein noch eine Menge zu entdecken, vor allem seine eigenen Sachen, die ich schlicht nicht kannte. Allen voran vielleicht – ich mag wirklich so einiges – Kafka – »eine Sammlung von Songs zum Thema Veränderung«.

Herausheben möchte ich den Track »Melody in the Wind«, den er eigens im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit seinem alten Freund und Mentor Stéphane Grapelli geschrieben hatte. Der war damals bereits 88 Jahre alt und schwer krank, bestand aber darauf, den Song zusammen mit Kennedy einzuspielen: »Ich fand es wunderbar, dass er sich zu dieser Aufnahme bereit erklärte, zumal er zur Zeit der Session schwer erkrankt war. Ich hätte es damals für besser gehalten, die Session abzusagen oder seine Violinparts bei ihm zuhause in Montmartre einzuspielen, damit er nicht aus dem Haus musste. (Übrigens mochte ich seine Wohnung in Montmartre. Steff hasste Banken und stopfte sein Geld in bar in diverse Ritzen in den Wänden um sich herum. Ich überlege zuweilen, wie das wohl gewesen sein muss, als der Euro kam – ich könnte mir vorstellen, dass die Bude eingefallen wäre, hätte er all die Knete aus den Ritzen geholt!) Ich schlug ihm beide Möglichkeiten vor, auf die ich gekommen war; vor allem aber drängte ich auf die Absage der Session. Aber nichts da, er bestand darauf, den Song in dem bereits gebuchten Studio aufzunehmen. Er wollte mich eben nicht hängen lassen. Seine Violine sang wie ein Vogel, aber später dann, als ich die Tonspur mit seiner Violine isolierte, hörte ich ihn den ganzen Track über husten. Er lieferte seinen wunderbaren Vortrag offensichtlich aus professionellem Stolz heraus ab, vielleicht auch ein wenig aus Liebe zu mir. Wie auch immer, sein Beitrag bedeutet mir unendlich viel.«

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»Von Bernhard Schmid geschmeidig übersetzt, liest sich Bob Dylan und Amerika so unterhaltsam, gelehrt und elegant wie im mittlerweile zum kanonischen Werk avancierten Original.«

– FAZ, 4.3.2013


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