{"id":903,"date":"2013-04-26T08:06:38","date_gmt":"2013-04-26T08:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/?p=903"},"modified":"2024-05-31T05:24:38","modified_gmt":"2024-05-31T05:24:38","slug":"the-pusher-is-a-monster-und-ein-schieber","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/the-pusher-is-a-monster-und-ein-schieber\/","title":{"rendered":"The pusher is a monster &#8230; und ein Schieber"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><\/strong><\/em><em><strong>Easy Rider<\/strong><\/em> barg seinerzeit f\u00fcr mich zwei Paradoxa, die ich nicht so recht aufzul\u00f6sen vermochte, die jedoch in dem Gedanken auf- bzw. darin untergingen, dass das ja trotzdem alles Gegenkultur und damit v\u00f6llig in Ordnung war. Das eine war der Umstand, dass <strong>Wyatt<\/strong> und <strong>Billy<\/strong> da ja eigentlich gleich ganz am Anfang Drogen im gro\u00dfen Stil verh\u00f6kerten. Das andere, es hatte irgendwie damit zu tun, bestand in dem feinen Unterschied zwischen dem \u00bb<strong>Dealer<\/strong>\u00ab und dem \u00bb<strong>Pusher<\/strong>\u00ab in <strong>Steppenwolfs<\/strong> gleichnamigem Song. Im konkreten Sprachgebrauch lie\u00df sich diese Unterscheidung eher selten nachvollziehen. So spricht <strong>Curtis Mayfield<\/strong> in einem der Songs seines epochalen Soundtracks zu <em><strong>Superfly<\/strong><\/em> vom \u00bbPusherman\u00ab als dem \u00bbnigga in the alley\u00ab, \u00bbyour mamma\u00ab, \u00bbyour daddy\u00ab, \u00bbyour doctor\u00ab und \u00bbyour main boy\u00ab ist,<sup><a href=\"#footnote_1_903\" id=\"identifier_1_903\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"CURTIS MAYFIELD &ndash; PUSHERMAN\">1<\/a><\/sup> nicht eben Eigenschaften des Gro\u00dfh\u00e4ndlers, sondern eben genau das, was den kleinen Dealer ausmacht. Aber wie gesagt, letztlich spielte das alles eine untergeordnete Rolle, da das alles nicht \u00bbEstablishment\u00ab und auch sonst nietnagelneu war.<\/p>\n<p>Was mir damals auffiel, als \u00bbThe Pusher\u00ab zu \u00fcbersetzen versuchte, war der Umstand, dassder \u00bbpusher\u00ab linguistisch doch eigentlich nichts anderes als unser \u00bbSchieber\u00ab war. Na ja, bis auf die \u00bbKrisenzeiten\u00ab:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Schieber<\/strong> 4. (ugs.) jmd., der [in wirtschaftlichen Krisenzeiten] unerlaubte, unsaubere Gesch\u00e4fte macht: Er war keine gro\u00dfe Figur auf dem Schwarzmarkt, er war nur ein kleiner S. (Hilsenrath, Nacht 52)<sup><a href=\"#footnote_2_903\" id=\"identifier_2_903\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"&copy; 2000 Dudenverlag\">2<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Und zum dazugeh\u00f6rigen Verb wei\u00df der Duden:<\/p>\n<blockquote><p><strong>schieben<\/strong> 6. (salopp) gesetzwidrige Gesch\u00e4fte machen, auf dem schwarzen Markt mit etw. handeln &lt;hat&gt;: Devisen s.; Auch schob sie \u00fcber dritte Hand Traktorenersatzteile gegen Frischgem\u00fcse (Grass, Butt 638); mit Zigaretten, Kaffee, Rauschgift s.; er hat nach dem Krieg geschoben.<sup><a href=\"#footnote_3_903\" id=\"identifier_3_903\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"&copy; 2000 Dudenverlag\">3<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Da haben wir&#8217;s sogar: \u00bbmit Rauschgift schieben\u00ab. Nicht dass das je einer so \u00fcbersetzt zu haben scheint. Es geht um Drogen, im Drogenmilieu ist Englisch angesagt, damals wie heute, damals sicher noch mehr, da der Stoff haupts\u00e4chlich \u00fcber die Amerikaner ins Land kam. Andererseits habe ich damals bereits praktisch keine \u00dcbersetzungen aus dem Englischen mehr gelesen, da mir die englische Sprache l\u00e4ngst zur Obsession geworden war. Es dauerte ein paar Jahre, bis ich dann \u00dcbersetzungen zu sammeln und gegen ihre Originale zu halten begann. Ich hielt das \u00dcbersetzen ja f\u00fcr einen ganz normalen Beruf, in dem man was wissen muss.<sup><a href=\"#footnote_4_903\" id=\"identifier_4_903\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Ein Gedanke, der sich als fataler Irrtum erwies in einer Branche, in der nicht der Fachmann, also der &Uuml;bersetzer, sondern der Amateur, der die Redaktion besorgt, das letzte Wort hat.\">4<\/a><\/sup> Wie auch immer, ich mache das heute noch, Original und \u00dcbersetzung nebeneinander zu halten und durchzugehen. (L\u00e4sst sich &#8216;ne Menge lernen bei.) Und dabei stie\u00df ich dieser Tage auf folgenden Satz:<\/p>\n<blockquote><p>Yet now Nifty Louie was pushing a heavily cut grade of morphine and having his own troubles pushing it.<sup><a href=\"#footnote_5_903\" id=\"identifier_5_903\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Nelson Algren, The Man with the Golden Arm\">5<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Und in der deutschen \u00dcbersetzung hie\u00df es:<\/p>\n<blockquote><p>Nun aber schob der Schnieke Louie mit Morphium, einer groben Qualit\u00e4t, und hatte damit seine eigenen Sorgen.<sup><a href=\"#footnote_6_903\" id=\"identifier_6_903\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Nelson Algren, Der Mann mit dem goldenen Arm; dt. von Werner von Gr&uuml;nau\">6<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Sehr interessant. In doppeltem Sinne. Zum einen \u00bbpusht\u00ab der Schnieke Louie (sehr sch\u00f6n!) seinen Stoff im gr\u00f6\u00dferen Stil, w\u00e4hrend sein nachgeordneter Verk\u00e4ufer ein Blinder namens Pig ist:<\/p>\n<blockquote><p>Yet now Nifty Louie was pushing a heavily cut grade of morphine and having his own troubles pushing it. Where he got it only the blind bummy called Pig, who peddled it for him, might have guessed. Pig never cared to guess. &#8220;How could I tell where the stuff comes from when I can&#8217;t even see where it goes?&#8221; he&#8217;d put it to Frankie. &#8220;It&#8217;s why I&#8217;m the peddler, &#8217;cause I can&#8217;t see what the people &#8216;r doin&#8217;.&#8221;<sup><a href=\"#footnote_7_903\" id=\"identifier_7_903\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Nelson Algren, The Man with the Golden Arm\">7<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>bzw.<\/p>\n<blockquote><p>Nun aber schob der Schnieke Louie mit Morphium, einer groben Qualit\u00e4t, und hatte damit seine eigenen Sorgen. Wo er es aber herbekam, mochte nur der alte Halunke, den die anderen das Schwein nannten, ahnen. Denn er verh\u00f6kerte das Zeug f\u00fcr ihn. Aber Schwein lag nichts daran, es zu ahnen. \u00bbWie kann ich wissen, wo das Zeug herkommt, wenn ich nicht einmal sehe, wohin es geht?\u00ab So hatte er es Frankie erkl\u00e4rt. \u00bbDeswegen nimmt er ja auch mich zum Verh\u00f6kern, weil ich nich&#8217; sehe, was die Leute tun.\u00ab<sup><a href=\"#footnote_6_903\" id=\"identifier_8_903\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Nelson Algren, Der Mann mit dem goldenen Arm; dt. von Werner von Gr&uuml;nau\">6<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>En netter Fund. Auch wenn man nicht so recht wei\u00df, warum Schwein nicht sehen sollte, an wen er den Stoff vertickt, weil bei der \u00dcbersetzung das entscheidende W\u00f6rtchen \u00bbblind\u00ab unter den Tisch gefallen und daraus \u00bbalt\u00ab geworden ist. Oder hielt man den \u00bb<strong>blind bummy<\/strong>\u00ab \u2013 den \u00bb<strong>blinden Wermutbruder<\/strong>\u00ab (<strong><em>bummy<\/em><\/strong> = <strong><em>bum<\/em><\/strong> + <strong><em>rummy<\/em><\/strong>) \u2013 tats\u00e4chlich f\u00fcr einen alten Halunken? Wie auch immer, auch etwas, was vermutlich unter dem \u00fcbeordneten Umstand aufging, dass es sich um einen Kultroman handelt; da wird das schon seine Richtigkeit haben.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_903\" class=\"footnote\"><a href=\"http:\/\/www.metrolyrics.com\/pusherman-lyrics-curtis-mayfield.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CURTIS MAYFIELD &#8211; PUSHERMAN<\/a><span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_903\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_2_903\" class=\"footnote\"> \u00a9 2000 Dudenverlag<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_2_903\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_3_903\" class=\"footnote\">\u00a9 2000 Dudenverlag<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_3_903\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_4_903\" class=\"footnote\">Ein Gedanke, der sich als fataler Irrtum erwies in einer Branche, in der nicht der Fachmann, also der \u00dcbersetzer, sondern der Amateur, der die Redaktion besorgt, das letzte Wort hat.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_4_903\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_5_903\" class=\"footnote\">Nelson Algren, <strong><em>The Man with the Golden Arm<\/em><\/strong><span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_5_903\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_6_903\" class=\"footnote\">Nelson Algren, Der Mann mit dem goldenen Arm; dt. von Werner von Gr\u00fcnau<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_6_903\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_8_903\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_7_903\" class=\"footnote\">Nelson Algren, The Man with the Golden Arm<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_7_903\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Easy Rider barg seinerzeit f\u00fcr mich zwei Paradoxa, die ich nicht so recht aufzul\u00f6sen vermochte, die jedoch in dem Gedanken auf- bzw. darin untergingen, dass das ja trotzdem alles Gegenkultur und damit v\u00f6llig in Ordnung war. 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