{"id":352,"date":"2010-09-25T13:28:50","date_gmt":"2010-09-25T13:28:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/?p=352"},"modified":"2024-05-31T07:46:46","modified_gmt":"2024-05-31T07:46:46","slug":"gilbert-keith-chesterton-william-blake","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/gilbert-keith-chesterton-william-blake\/","title":{"rendered":"Gilbert Keith Chesterton &#8211; William Blake"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/blake01.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"308\" src=\"http:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/blake01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-384\" title=\"blake0\" srcset=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/blake01.jpg 200w, https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/blake01-194x300.jpg 194w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Zum eigenen wie zur allgemeinen Kurzweil hier eine \u00dcbersetzung, an der ich \u2013 weil mich das Thema interessiert und ich Chesterton sehr bewundere \u2013 gerade nebenher arbeite. <strong>Sie \u00f6ffentlich zu veranstalten ist als Experiment gedacht.<\/strong> Sie l\u00e4sst sich damit sowohl mitverfolgen als auch kommentieren. Bevor nicht die letzte Seite \u00fcbersetzt ist, handelt es sich um einen ersten Durchgang, der bei mir freilich immer bereits lesbar sein muss; der Inhalt bereits ver\u00f6ffentlichter Passagen kann sich jedoch jederzeit \u00e4ndern \u2013 je nach Bedarf, sp\u00e4terer Einsicht oder auf einen Ihrer sachdienlichen Hinweise hin.&nbsp; Eine sinnvolle Verlinkung auf andere Websites ist ebenfalls angedacht; vielleicht entsteht so eine lesbare und n\u00fctzliche Blake-Biographie.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png\"><img decoding=\"async\" width=\"470\" height=\"99\" src=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2612\" srcset=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png 470w, https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans-300x63.png 300w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\"> <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/G._K._Chesterton\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Informationen zu G.K. Chesterton<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Das Buch finden Sie <a href=\"http:\/\/www.archive.org\/stream\/williamblakeches00chesuoft#page\/n7\/mode\/2up\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>. \u00a9 Das englische Original ist mittlerweile gemeinfrei; die Rechte an der \u00dcbersetzung liegen selbstverst\u00e4ndlich bei mir.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Gilbert Keith Chesterton<br><em>William Blake <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">[Teil 1]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/William_Blake\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>William Blake<\/strong><\/a> h\u00e4tte besser als jeder andere verstanden, dass unser aller Biographie eigentlich mit den Worten \u00bbAm Anfang schuf Gott Himmel und Erde\u00ab beginnen m\u00fcsste. Wollten wir die Geschichte von Mr. Jones aus Kentish Town erz\u00e4hlen, wir br\u00e4uchten s\u00e4mtliche Jahrhunderte, um sie zu erkl\u00e4ren. Wir k\u00f6nnen noch nicht einmal den Namen \u00bbJones\u00ab verstehen ohne die Erkenntnis, dass seine Gew\u00f6hnlichkeit nicht die Gew\u00f6hn\u00adlichkeit des Gemeinen, sondern die des G\u00f6ttlichen, dass gerade seine Gew\u00f6hn\u00adlichkeit ein Echo der Bewunderung f\u00fcr den Apostel Johannes ist. Das Adjektiv \u00bbKentish\u00ab ist ein rechtes R\u00e4tsel in diesem geographischen Zusammenhang; und dabei ist das Wort \u00bbKentish\u00ab nicht halb so r\u00e4tselhaft wie das ebenso schreckliche wie unergr\u00fcndliche Wort \u00bbtown\u00ab. Wir werden die Wurzeln des vorge\u00adschichtlichen Menschen an die Luft gezerrt und die letzten Umw\u00e4lzungen der modernen Gesells\u00adchaft gesehen haben, bevor wir die Bedeutung des Wortes \u00bbtown\u00ab wirklich verstehen. So kommt denn jedes Wort, das wir benutzen, zu uns eingef\u00e4rbt durch all die Abenteuer seine Geschichte hindurch, deren jeder Phase sie wenigstens den Hauch einer Ver\u00e4nderung verdankt. Die einzig richtige Art, eine Geschichte zu erz\u00e4hlen, besteht darin, am Anfang anzufangen \u2013 am Anfang der Welt. Daraus folgt, dass wir alle B\u00fccher auf die verkehrte Weise anfangen m\u00fcssen, schon um der K\u00fcrze willen. Schriebe Blake \u00bbBlakes Leben\u00ab, es beg\u00e4nne mitnichten mit Einzel\u00adheiten \u00fcber seine Herkunft oder Geburt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Blake wurde 1757 in <a href=\"http:\/\/www.british-history.ac.uk\/report.aspx?compid=41470\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Carnaby Market<\/a> geboren \u2013 aber ein \u00bbBlakes Leben\u00ab von Blake h\u00e4tte so nicht begonnen. Es h\u00e4tte mit einer gro\u00dfen Abhandlung \u00fcber den Riesen <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Albion_%28William_Blake%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Albion<\/a> be\u00adgonnen, \u00fcber die zahlreichen Misshellig\u00adkeiten zwischen [spirit]<sup><a href=\"#footnote_1_352\" id=\"identifier_1_352\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Anm. des &Uuml;bersetzers: Was Blakes Mythologie und deren Terminologie &ndash; vor allem in deutscher &Uuml;bersetzung &ndash; angeht, werde ich im Laufe der &Uuml;bersetzung nachreichen\">1<\/a><\/sup> und [spectre]<sup><a href=\"#footnote_2_352\" id=\"identifier_2_352\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"dito\">2<\/a><\/sup>&nbsp; des Herrn, \u00fcber die goldenen S\u00e4ulen, die die Erde in ihren Anf\u00e4ngen \u00fcberzogen, und die L\u00f6wen in ihrer goldenen Unschuld vor Gott. Es w\u00e4re voll symbolischen wilden Getiers und nackter Frauen gewesen, voll ungeheurer Wolken und gewaltiger Tempel; und in h\u00f6chstem Grade unverst\u00e4ndlich w\u00e4re es gewesen, aber kein Wort ohne Bedeutung. S\u00e4mtliche gro\u00dfen Ereig\u00adnisse von Blakes Leben w\u00e4ren bereits vor seiner Geburt passiert. Aber nach reiflicher \u00dcberlegung halte ich es f\u00fcr besser, erst die Geschichte von Blakes Leben zu erz\u00e4hlen und dann die Jahrhunderte zur\u00fcckzugehen. Aber es ist gar nicht so leicht, der Versuchung zu widerstehen, da es \u00fcber Blake vor seiner Existenz viel zu sagen gibt. Aber ich werde der Versuchung widerstehen und mit den Fakten beginnen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"470\" height=\"99\" src=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2612\" title=\"b470\" srcset=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png 470w, https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans-300x63.png 300w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><br>William Blake wurde am 28. November 1757 in der Broad Street in Carnaby Market<sup><a href=\"#footnote_3_352\" id=\"identifier_3_352\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Anm. d. &Uuml;bersetzers: Gibt es seit 1820 nicht mehr. Mehr dazu, wenn ich Zeit habe.\">3<\/a><\/sup> geboren. Wie so viele andere gro\u00dfe englische K\u00fcnstler und Poeten kam er also in London zur Welt. Wie so viele andere strahlende Philosophen und gl\u00fchend Mystiker kommt er aus einem Ladengesch\u00e4ft. Sein Vater war James Blake, ein leidlich wohlhabender Strumpfwirker; und es ist sicherlich eine Bemerkung wert, wie viele phantasiebegabte M\u00e4nner auf unserer Insel aus einer solchen Umgebung hervorgegangen sind. Napoleon hat gesagt, wir Engl\u00e4nder seien eine Nation von Kr\u00e4mern; h\u00e4tte er hier etwas weiter durchdacht, so w\u00e4re er vielleicht darauf gekommen, warum wir eine Nation von Dichtern sind. Wir verdanken unserer j\u00fcngste Flaute in der Dichtkunst wie in allen anderen Dingen dem Umstand, dass wir nicht l\u00e4nger eine Nation von Kr\u00e4mern, sondern lediglich eine Nation von Ladeninhabern sind. Wie auch immer, es scheint kein Zweifel daran zu bestehen, dass William Blake in der ge\u00adw\u00f6hnlichen Atmosph\u00e4re des englischen Klein\u00ad\u00adb\u00fcrgertums gro\u00dfgezogen wurde. Seine Umgangsformen wie seine Moral wurden auf die nahe liegende altergebrachte Art geformt; niemand hat je daran gedacht, seine Phantasie zu formen, der diese Vernachl\u00e4ssigung wohl eher gen\u00fctzt als geschadet hat. Es gibt wenige Geschichten \u00fcber seine Kindheit selbst. Einmal hatte er sich zu lange auf den Wiesen herumgetrieben und beim Nachhausekommen seiner Mutter erz\u00e4hlt, er habe den Propheten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ezekiel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ezekiel<\/a> unter einem Baum sitzen sehen. Seine Mutter gab ihm eine Ohrfeige. So endete William Blakes erstes Abenteuer in dem Wunderland, in dem er Staatsb\u00fcrger war.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/99abb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"470\" height=\"542\" src=\"http:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/99abb.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-487\" title=\"99abb\" srcset=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/99abb.jpg 470w, https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/99abb-260x300.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><br>Sein Vater James Blake war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Ire; seine Mut\u00adter war wahrscheinlich Engl\u00e4nderin. Einige haben in seiner irischen Abstammung eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr seine kraftvolle Phantasie gesehen; wir k\u00f6nnen den Gedanken gelten lassen, wenn auch nur unter strengen Vor\u00adbe\u00adhalten. Es stimmt wahrscheinlich, dass Irland, w\u00e4re das Land frei von Unterdr\u00fcckung, mehr Mystiker hervorbringen w\u00fcrde als England. Und aus demselben Grunde w\u00fcrde es noch weniger Dichter geb\u00e4ren. Ein Dichter darf vage sein; einem Mystiker ist die Vagheit ein Gr\u00e4uel. Ein Dichter ist einer, dem Himmel und Erde unbewusst durcheinander geraten. Ein Mystiker ist einer, der Himmel und Erde selbst dann trennt, wenn er sich an beiden erfreut. Breiter gesprochen ist der englische Typ der, der seine Elfen in den W\u00e4ldern <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Arcadia_%28utopia%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arkadien<\/a>s verfangen sieht, ich nenne Shakespeare und Keats; der irische Typ besteht ganz entschieden auf die Trennung von Feen und Wald, ich nenne Blake und Mr. W.B. Yeats. Falls Blake etwas von seinem irischen Blut geerbt hat, dann war das seine strenge irische Logik. Die Iren sind so logisch, wie die Engl\u00e4nder unlogisch sind. Die Iren tun sich in Berufen hervor, die nichts als pure Logik erfordern wie die Jurisprudenz oder die Milit\u00e4rstrategie. Dieses Element vollendeter und strenger Vernunft war Blake ganz gewiss zu eigen. Nichts an ihm war form- oder richtungslos. Er hatte ein umfassendes Verst\u00e4ndnis vom Universum, nur dass dieses Universum niemand verstand.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"470\" height=\"99\" src=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2612\" title=\"b470\" srcset=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png 470w, https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans-300x63.png 300w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><br>Wenn also Blake etwas von Irland geerbt hat, dann war das seine Logik. Wom\u00f6glich findet sich in seiner klaren Zeichnung einer ver\u00adwickelten mystischen Ordnung etwas von dem Talent, das es Mr. Tim Healy<sup><a href=\"#footnote_4_352\" id=\"identifier_4_352\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Timothy Michael Healy, 1855 &ndash; 1931, auch Tim Healy, war ein nationalistischer irischer Politiker, Journalist, Autor, Anwalt und einer der kontroversesten irischen MPs im britischen House of Commons. Seine politische Laufbahn begann in den 1880er-Jahren unter Charles Stewart Parnells Zeit als Chef der Irish Parliamentary Party (IPP) und dauerte bis in die 1920er, als er&nbsp; der erste Governor-General of the Irish Free State war.\">4<\/a><\/sup> erm\u00f6glicht, die Regeln des britischen Unter\u00adhauses zu verstehen. Wom\u00f6glich findet sich in der kurzentschlossenen Handgreiflichkeit, mit der er den unversch\u00e4mten Dragoner aus seinem Vorgarten wirft, etwas von der Effizienz des irischen Soldaten. Aber derlei Spekulationen f\u00fchren zu nichts. Wir wissen eben nicht, was James Blake wirklich war, ob durch Zufall Ire war oder durch wahre Tradition. Wir wissen nicht, was Erblichkeit ist; j\u00fcngste Forschungsergebnisse legen die Ansicht nahe, dass daran \u00fcberhaupt nichts ist. Und wir wissen nicht, was Irland ist; was wir auch nicht erfahren werden, bevor Irland, wie jede andere christliche Nation auch, die Freiheit hat, sich seine eigenen Institutionen zu schaffen.<br>Aber lassen Sie uns zu Positiverem und Gewisserem \u00fcbergehen. William Blake war von kleinem und schm\u00e4chtigem Wuchs, hatte aber einen gro\u00dfen und ausgesprochen breiten Kopf, und seine Schultern waren breiter, als f\u00fcr seine Statur normal gewesen w\u00e4re. Es gibt ein gutes Portr\u00e4t von ihm, das in der blo\u00dfen Anlage von Gesicht und Gestalt eine gewisse Vierschr\u00f6tigkeit suggeriert. Er hat damit sozusagen etwas von einer f\u00fcr M\u00e4nner des 18. Jahrhunderts typischen Qualit\u00e4t; er erinnert uns ein wenig an Danton, ohne dass er dessen Gr\u00f6\u00dfe gehabt h\u00e4tte, an Napoleon, ohne dessen Maske r\u00f6mischer Sch\u00f6nheit, oder an <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Honor%C3%A9_Gabriel_Riqueti,_comte_de_Mirabeau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mirabeau<\/a>, nur dass er nicht von Z\u00fcgel\u00adlosig\u00adkeit und Krankheit gezeichnet war. Er hatte abnorm gro\u00dfe schwarze Augen, aber diesem ganz offensichtlich getreuen Portr\u00e4t nach zu urteilen, waren diese gro\u00dfartigen Augen eher strahlend als schwarz. W\u00fcrde er pl\u00f6tzlich ins Zimmer treten (und die Wahrscheinlichkeit, dass er in Zimmer platzte, ist gro\u00df), ich glaube, wir w\u00fcrden uns zuerst des breiten Kopfes und der breiten Schultern eines Bonaparte gewahr und erst auf den zweiten Blick er\u00adken\u00adnen, dass die Gestalt darunter zart und schm\u00e4chtig war.<br>Sein spirituelles Gef\u00fcge war \u00e4hnlicher Art, insofern es vom Kern aus allm\u00e4hlich an Umfang gewann. Sein Charakter war der eines Kauzes, aber durchaus solide. Man k\u00f6nnte ihn als soliden Irren bezeichnen oder als soliden L\u00fcgner; auf keinen Fall lie\u00dfe er sich einen unschl\u00fcssigen Hysteriker hei\u00dfen oder schwachen Dilettanten in zweifelhafter Materie. Mit seinem gro\u00dfen Eulenkopf und der gedrungenen skurrilen Gestalt muss er eher wie ein Elf gewirkt haben denn ein Mensch auf Reisen im Elfenland; er war ein n\u00fcchterner Einheimischer dieser unnat\u00fcr\u00adlichen Gefilde. Blakes Supernaturalismus verlor sich nicht in augenscheinlichem Eifer. Best\u00fcrzend war seine Raserei sondern sein k\u00fchler Kopf. Von seiner ersten Begegnung mit Ezekiel unter dem Baum an, sprach er \u00fcber derlei Erscheinungen im Alltagston. Das 18. Jahrhundert war randvoll mit bombas\u00adtischem Supernaturalismus; Blakes war jedoch der einzige nat\u00fcrliche Supernaturalis\u00admus. Viele Personen von Ruf und Rang berichteten von Wundern; er erw\u00e4hnte sie lediglich. Wenn er davon sprach, Jesaja oder der K\u00f6nigin Elisabeth begegnet zu sein, dann weniger so, als h\u00e4tte man daran nicht zu zweifeln, denn als w\u00e4re es der M\u00fche nicht wert, etwas so Allt\u00e4gliches in Zweifel zu ziehen. K\u00f6nige und Propheten kamen ihm Modell stehen, vom Himmel wie aus der H\u00f6lle, und er klagte ganz beil\u00e4ufig \u00fcber sie, als w\u00fcrde er sich \u00fcber schwierige professionelle Modelle beschweren. Er er\u00adz\u00fcrnte sich, weil K\u00f6nig Edward I. zwischen ihn und Sir William Wallace geriet. Es gab andere Zeugen des \u00dcbernat\u00fcrlichen, die gar noch \u00fcberzeugender waren, aber ich glaube nicht, dass es einen von \u00e4hnlicher Gelassen\u00adheit gab. Seinem Privatleben, dessen Funda\u00admente er schon in jungen Jahren legte, haftete dasselbe unbeschreibliche Element an: eine Art schroffer Unschuld. Alles, wozu ihn das Schicksal bestimmte, vor allem in jenen fr\u00fchen Jahren, war von einer gelassenen, prosaischen Wunderlichkeit. Er erlebte die f\u00fcr einen Jungen \u00fcblichen K\u00e4mpfe und Flirts;\u00a0 und eines Tages unterhielt er sich mit einem M\u00e4dchen \u00fcber die unvern\u00fcnftige Art eines anderen M\u00e4dchens. Das M\u00e4dchen (sie hie\u00df Katherine Boucher) lauschte ihm offenbar geduldig, bis Blake eine bestimmte Wendung benutzte oder einen bestimmten Vorfall er\u00adw\u00e4hnte, der ihm, wie man so sagt \u00bbzu\u00adsetzte\u00ab und den sie (eigenen Worten zu\u00adfolge) be\u00admitleidenswert fand.\u00a0 \u00bbTats\u00e4chlich?\u00ab, fragte William Blake ganz unvermittelt. \u00bbDann liebe ich Sie.\u00ab Nach einer langen Pause sagte das M\u00e4dchen ohne jegliche Hast: \u00bbIch liebe Sie auch.\u00ab Auf diese ebenso kurze wie au\u00dfer\u00adge\u00adw\u00f6hnliche Art wurde eine Ehe beschlossen, deren ungebrochene Z\u00e4rtlichkeit zwar durch ein langes Leben voll verwegener Experi\u00admente und noch verwegener Meinungen auf eine harte Probe gestellt wurde, auf die jedoch nie wirklich ein Schatten fiel bis zu dem Tag, an dem Blake, im Sterben liegend, in einer \u00fcberraschenden Ekstase ihren Namen erst nach dem Gottes ausrief.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png\"><img decoding=\"async\" width=\"470\" height=\"99\" src=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2612\" srcset=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans.png 470w, https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/cloudtrans-300x63.png 300w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.slangtimes.com\/bernhardschmid\/gilbert-keith-chesterton-william-blake-2\/\">[Teil 2]<\/a><em><br><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_352\" class=\"footnote\">Anm. des \u00dcbersetzers: Was Blakes Mythologie und deren Terminologie \u2013 vor allem in deutscher \u00dcbersetzung \u2013 angeht, werde ich im Laufe der \u00dcbersetzung nachreichen<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_352\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_2_352\" class=\"footnote\">dito<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_2_352\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_3_352\" class=\"footnote\">Anm. d. \u00dcbersetzers: Gibt es seit 1820 nicht mehr. Mehr dazu, wenn ich Zeit habe.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_3_352\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_4_352\" class=\"footnote\"><strong>Timothy Michael Healy<\/strong>, 1855 \u2013 1931, auch Tim Healy, war ein nationalistischer irischer Politiker, Journalist, Autor, Anwalt und einer der kontroversesten irischen MPs im britischen <a title=\"British House of Commons\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/British_House_of_Commons\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">House of Commons<\/a>. Seine politische Laufbahn begann in den 1880er-Jahren unter <a title=\"Charles Stewart Parnell\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Stewart_Parnell\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Charles Stewart Parnell<\/a>s Zeit als Chef der <a title=\"Irish Parliamentary Party\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Irish_Parliamentary_Party\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Irish Parliamentary Party<\/a> (IPP) und dauerte bis in die 1920er, als er\u00a0 der erste <a title=\"Governor-General of the Irish Free State\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Governor-General_of_the_Irish_Free_State\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Governor-General<\/a> of the <a title=\"Irish Free State\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Irish_Free_State\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Irish Free State<\/a> war.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_4_352\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum eigenen wie zur allgemeinen Kurzweil hier eine \u00dcbersetzung, an der ich \u2013 weil mich das Thema interessiert und ich Chesterton sehr bewundere \u2013 gerade nebenher arbeite. Sie \u00f6ffentlich zu veranstalten ist als Experiment gedacht. Sie l\u00e4sst sich damit sowohl mitverfolgen als auch kommentieren. 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